Grundausbildung für stark seh- oder hörbehinderte Menschen beantragen

Damit Sie sich mit einer hochgradigen Sehbehinderung oder Hörbehinderung im Beruf und im Alltag zurechtfinden können, müssen Sie über viele spezielle Fertigkeiten verfügen. Die Blindentechnische oder vergleichbare Grundausbildung vermittelt Ihnen die Kenntnisse und Fertigkeiten, die Sie für ein selbstständiges und unabhängiges Leben brauchen beruflich und auch privat. 

Die speziellen Grundausbildungen richten sich an Menschen, die grundsätzlich eine Berufsausbildung oder Umschulung anstreben, deren Kenntnisse und Fertigkeiten aber aufgrund einer (eingetretenen) hochgradigen Sehbehinderung beziehungsweise Hörbehinderung noch nicht ausreichend sind, um diese Ausbildung oder Umschulung erfolgreich durchzuführen. 

Ist eine Ausbildung oder Umschulung wegen in Ihrer Person liegenden Gründen nicht möglich, kann auch eine Förderung im Vorfeld einer Beschäftigungsaufnahme erfolgen.

Blindentechnische Grundausbildung

Während einer blindentechnischen Grundausbildung erlernen Sie neue Techniken, die für die Ausübung beziehungsweise weitere Ausübung einer Tätigkeit aufgrund Ihrer Behinderung notwendig werden. 
Die Unterrichtsinhalte umfassen beispielsweise:

  • Braille-Punktschrift (Blindenschrift) lesen und schreiben,
  • blindenspezifische Computerhilfsmittel kennen und bedienen lernen,
  • Arbeit mit elektronischen Blindenlesegeräten und Blindennotizgeräten,
  • Orientierung und Mobilität, damit Sie sich selbstständig und sicher im öffentlichen Raum bewegen und orientieren können,
  • lebenspraktische Fähigkeiten, damit Sie beispielsweise eine Unterschrift leisten können, Geld erkennen können, Ihre Kleidung pflegen und kleine Mahlzeiten zubereiten können kurzum einen eigenen Haushalt führen können.

Die Dauer beträgt 10 bis 12 Monate.

Hörtechnische Grundausbildung

Während einer hörtechnischen Grundausbildung erlernen Sie Strategien, um sich mit Hörenden möglichst gut zu verständigen. Ziel ist, dass Sie die Hörtaktik herausfinden, mit der Sie persönlich am besten sowohl am Ausbildungsplatz beziehungsweise Arbeitsplatz wie auch während einer beruflichen Qualifizierung mit Hörenden kommunizieren können.
Die Unterrichtsinhalte umfassen beispielsweise:

  • Sprachtraining, 
  • Hörtraining für Hörgerät- oder Cochlea-Implantatträger,
  • Erarbeitung und Training einer Hörtaktik,
  • Einsatz von Schriftdolmetschern, lautsprachbegleitenden Gebärden und technischen Hilfen,
  • Audiotherapie,
  • Kommunikationstraining,
  • Training zur Steigerung der Konzentrations- und Belastungsfähigkeit

Die Dauer beträgt je nach Bedarf 3 bis 6 Monate.

Die Blindentechnische oder vergleichbare Grundausbildung wird von der Agentur für Arbeit beziehungsweise dem Jobcenter gefördert, sofern die Bundesagentur für Arbeit der zuständige Rehabilitationsträger ist. Ihnen steht entweder Übergangsgeld oder Ausbildungsgeld zu und Sie sind sozialversichert. 

Diese Grundausbildungen finden in der Regel in einer Einrichtung der beruflichen Rehabilitation statt, die auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingerichtet ist.


Bitte erfragen Sie bei Kontaktaufnahme mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater, welche Unterlagen Sie benötigen.



  • Formulare: keine 
  • Onlineverfahren möglich: nein 
  • Schriftform erforderlich: nein
  • Persönliches Erscheinen nötig: ja

Die Beraterin oder der Berater klärt mit Ihnen gemeinsam im Gespräch, welche Formulare Sie ausfüllen müssen oder welche Unterlagen Sie vorlegen müssen, wenn Sie für die Blindentechnische oder vergleichbare Grundausbildung in Frage kommen.


Bundesagentur für Arbeit (BA)
+49 911 179-0
www.arbeitsagentur.de Öffnet in neuem Fenster

Bundesagentur für Arbeit (BA), Arbeitnehmer-Hotline
+49 800 4555500

Bundesagentur für Arbeit (BA), Dienststellenfinder
www.arbeitsagentur.de/ueber-uns/ansprechpartner Öffnet in neuem Fenster

Bundesagentur für Arbeit (BA), Servicetelefon für Hörgeschädigte
www.arbeitsagentur.de/menschen-mit-behinderungen/servicetelefon-fuer-hoergeschaedigte Öffnet in neuem Fenster

Voraussetzungen
  • Sie haben eine hochgradige Seh- oder Hörbehinderung oder Ihnen droht eine solche Behinderung.
  • Ihr zuständiger Rehabilitationsträger ist die Bundesagentur für Arbeit.
  • Ihre Aussichten am Arbeitsleben teilzuhaben oder wieder teilzuhaben sind wegen Ihrer Behinderung dauerhaft wesentlich gemindert.
  • Sie sind bereit, sich beruflich bilden oder auf andere Weise beruflich eingliedern zu lassen.

Damit Sie die blindentechnische oder vergleichbare Grundausbildung bekommen können, müssen Sie sich an Ihre Agentur für Arbeit wenden: 

  • Vereinbaren Sie dazu einen Termin mit dem Team Berufliche Rehabilitation und Teilhabe Ihrer Agentur für Arbeit oder der Integrationsfachkraft in Ihrem Jobcenter. 
    • Wenn Sie noch keine persönliche Ansprechpartnerin oder keinen persönlichen Ansprechpartner in der Agentur für Arbeit haben, vereinbaren Sie einen Termin unter der kostenlosen Telefonnummer 
    • Wenn Sie bereits vom Jobcenter betreut werden, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer persönlichen Integrationsfachkraft.
  • Im Beratungsgespräch wird geklärt, ob die Grundausbildung für Sie geeignet ist.
  • Stellt Ihre Beraterin beziehungsweise Ihr Berater fest, dass die Grundausbildung für Sie geeignet ist, werden Sie umgehend dafür vorgemerkt. Ihre Beraterin beziehungsweise Ihr Berater bespricht mit Ihnen außerdem die Formulare, die Sie ausfüllen müssen. Darin steht auch, wann und wo die Maßnahme beginnt und was Sie dafür benötigen.
  • Sie erhalten eine schriftliche Mitteilung, sobald ein Teilnahmeplatz vorhanden ist.
  • Ihre Beraterin beziehungsweise Ihr Berater meldet Sie für die Grundausbildung an.

Verantwortlich für den Inhalt
Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Letzte Aktualisierung bzw. Veröffentlichungsdatum
09.11.2020